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Rollentausch beim JBO Meitingen – Ulrich Lutter übernimmt am Dirigentenpult

Vor ziemlich genau einem Jahr schlüpfte Ulrich Lutter in die Rolle des Dirigenten des Blasorchesters beim Meitinger Jugendblasorchester (JBO) und dirigierte, wie gewohnt, ein Stück beim JBO-Jahreskonzert. Musiker und Gäste wussten: Es sollte das erste Stück von vielen sein, denn nun würde er in die Fußstapfen von Walter Möckl treten und dirigieren, so wie Möckl es seit der Gründung des Orchesters getan hat. Doch wie hat es Lutter eigentlich ans Dirigentenpult geschafft und wie geht es ihm mit dieser neuen Aufgabe?

Das Dirigieren stellt für den 48-Jährigen eine ganz andere Herausforderung dar als das Musizieren selbst. Nach einem Montagabend, an dem die eineinhalb- bis zweistündige Probe stattfindet, sei er „körperlich und psychisch platt“. Als Dirigent müsse er zwei Stunden hochkonzentriert auf alles achten. Als Trompetenspieler – das war seine Rolle bevor Lutter ans Dirigentenpult schritt – musste er sich nur auf seinen Einsatz konzentrieren und hatte auch Spielpausen. Doch wie kam Lutter, der derzeit als Maschinenbauingenieur bei Airbus Helicopters arbeitet, eigentlich zur Musik?

Nachdem er Blockflöte spielen hätte sollen, hätte Lutter seine Musikerambitionen schon beinahe an den Nagel gehängt. Doch dann ermunterte ihn Walter Möckl dazu, Trompete zu spielen und Lutter fand „sein Instrument“. Zunächst spielte er bei der SGL-Kapelle. Zur JBO-Gründung wechselte er dann mit Walter Möckl und 20 weiteren SGL-Musikern das Orchester. Ohne Welpenschutz kam Lutter so von der SGL-Jugend direkt ins Blasorchester und kann sich noch heute genau an das JBO-Gründungskonzert und eines der ersten Stücke „Der mit dem Wolf tanzt“ erinnern. Anschließend absolvierte Lutter die Bläserprüfungen sowie die Weiterbildungen zum Jugendausbilder und zum Dirigenten im Blasorchester. Bereits damals stand die Idee im Raum, dass Lutter einmal Möckls Nachfolger werden sollte. Lange Zeit war er Stellvertreter; seit dem vergangenen Jahr haben sie nun die Rollen endgültig getauscht.

Möckl spielt im Blasorchester Tuba und Lutter hat seinen Platz als Trompetenspieler abgegeben und dirigiert das Blasorchester. „Es ist schade, nicht mehr Musiker zu sein“, verrät Lutter beinahe ein bisschen wehmütig. Manchmal fühle sich es sich ungewohnt an, schließlich dirigiere er nun seinen einstigen Lehrer. Allerdings sei die Zusammenarbeit gut. Bei Bedarf springt Möckl in den Proben ein; Tipps bekommt Lutter unter vier Augen. Zudem verwende er viel Zeit darauf, Stücke anzuhören, Ideen zu sammeln und Partituren akribisch genau vorzubereiten. Steht Lutter am Dirigentenpult möchte er jedem einzelnen Musiker des Orchesters ein sicheres Gefühl geben: „Der Musiker ist der Hauptakteuer, ich steure nur die Register.“ Und dabei ist Lutter vor allem Genauigkeit wichtig, was der Dirigent auf seinen technischen, beruflichen Background zurückführt.

Und wie hat sich das Orchester unter dem neuen musikalischen Leiter inhaltlich verändert? Aus den Reihen der Musikerinnen und Musiker lässt sich heraushören, dass Lutter mehr Disziplin einfordere und dass sich auch die Proben verändert haben. Einspielübungen sowie Klatschen und Singen fließen nun in die Proben mit ein. Und auch viele neue Stücke wurden geprobt – wie beispielsweise „Wackelkontakt“ oder „Bella Napoli“, die das JBO unter anderem beim Schlossstraßenfest spielen kann. Die musikalische Grundrichtung bleibe. Man spiele moderne Unterhaltungsmusik, weniger Märsche oder Polkas. Heuer hat das JBO auf zwei Umzügen – in Rehling und im Aichacher Ortsteil Sulzbach – gespielt.

Beim anstehenden Jahreskonzert, das am 22. November um 19 Uhr in der Turnhalle der Mittelschule stattfinden wird, soll es einen Mix aus schnellen und geheimnisvollen Stücken gegeben – mehr soll noch nicht verraten werden, außer das Motto des Abends, das so lautet: „Popcorn – süß oder salzig? Ein Abend mit Filmmusik.“ Auch für das kommende Jahr sind die Konzerttermine schon gesetzt. Für das Jahr 2027 könnte sich Lutter dann vorstellen, musikalisch etwas Neues ins Programm aufzunehmen, wie beispielsweise eine Serenade. Als Ausgleich zu vielen Stunden Vor- und Nachbereitung und am Dirigentenpult nimmt der 48-jhrige Meitinger nun selbst wieder Unterricht – und zwar auf der Querflöte. „Es macht Spaß, aber ich könnte mehr üben“, erzählt Lutter lachend und ergänzt: „Ich bin einfach zu faul und das Instrument hat zu viele Knöpfe.“